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Das menorquinische Pferd in Deutschland

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Das deutsche Menorquinergestüt auf Mallorca

 

Das menorquinische Pferd

   Nur ganz selten steht ein Tier so als Symbol, wie der Stier für Spanien und das menorquinische Pferd für Menorca. Menorca ist Pferdeland, weil dort mehr Pferde leben als Menschen.Dieses Pferd hat eine uralte Existenz und ist das  Beispiel dafür, wie eine Rasse über Jahrhunderte hinweg konserviert wurde.Grundlegend hat dieses Pferd seine Herkunft in der südlichen Pferderassen der iberischen Halbinsel. Es ist ein enger Verwandter des mallorquinischen und des katalanischen Pferdes, wobei das letzte bereits ausgestorben ist und das erste nur noch in etwa 200 Exemplaren vorhanden ist. Aber natürlich, die Balearen sind Inseln, die dazu noch in einem Meer liegen, das die alten Zivilisationen verband, was natürlich zu der Überlegung führt, dass dieses Pferd nie frei war vom Einfluss anderer Pferderassen. Dieselbe Mischung, die die Menschen erfuhren, durch die Besetzung der Insel über die Jahrhunderte hinweg, Spanier, Araber, Fanzosen, Engländer, erfuhren im gleichen Masse natürlich auch die Pferde. Jahrhunderte, die die aktuelle Rasse prägten und zu dem machten, was sie heute ist.

 

   Auch wenn die Rasse erst seit 1989 als eigenständige Rasse anerkannt ist, waren die Menorquiner auf dem Lande schon immer davon überzeugt, dass das Pferd, das auf Menorca lebt eine eigenständige Rasse ist. Eine eigenständige Rasse aber auf einer so kleinen Insel wäre unvorstellbar, wenn da nicht die "Fiestas" wären, die Dorffeste der Ortschaften auf der gesamten Insel, in denen das Pferd eine herausragende Rolle spielt. Wie sonst hätte man in alten Zeiten ein Reitpferd von dieser Eleganz ziehen und halten können, wo doch die Tiere damals nach ihrem Nutzen für die Feldarbeit und für den Transport eingeschätzt wurden.

 

   Ich will mich nicht weiter bei zootechnischen Analysen aufhalten, die natürlich eine Verwandtschaft zum Araber und zum PRE aufweisen. Wie auch anders, war doch Menorca 300 Jahre lang in arabischer Hand und eine Gesellschaft, die es in dieser Zeit verstanden hat, die islamische Kultur mit der eigenen zu verbinden, wie sie es auch verstanden hat, die englische, französische und spanische Kultur mit einzubinden, hat es natürlich auch verstanden, die vorhandenen Pferdebestände jeweils durch die, mit den Besatzern hinzugekommenen, zu verbessern. Vor allem, wo die Pferdezucht fast religiös zelebriert wurde, war dies eine Form, um der Rasse, durch Einkreuzen der ältesten Pferderasse der Welt, ihr heutiges Aussehen zu verleihen.

 

   Der Menorquín ist ein behendes Pferd, sehr beweglich, leichtfüssig, ideal, um sich über diese unwegsame Insel zu bewegen und schnell dorthin zu kommen, wo der Feind unter Umständen die Insel angreifen könnte. Seit der König Jaume II von Mallorca 1301 das Pferd zur Verteidigung der Baleareninsel bestimmt hatte, gibt es viele Dokumente über den militärischen Einsatz dieser Rasse. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erlaubte das Wegenetz auf Menorca nicht die Durchfahrt von Karren. Dies bedeutete natürlich, dass alle Waren und Personen auf dem Rücken von Equiden transportiert werden mussten, was die Wertschätzung dieser Rasse natürlich nur noch förderte.  Hervorzuheben ist dazu der "Camí de cavalls" (Pferdeweg), der um die gesamte Insel herumging, militärische Funktionen hatte und den Anblick von Pferd und Reiter auf der Insel alltäglich machte.

 

   Es ist mir auch nicht ganz klar, warum die Herkunft des Pferdes und Einkreuzungen in die Rasse immer wieder zu Diskussionen führen. Alle existierenden Rassen haben im Laufe der Zeit Einkreuzungen erfahren und Begriffe wie "Pura Raza Española" (eine spanische Rasse) oder "Pura Sangre Inglés" (Reines englisches Vollblut) führen bedauernswerterweise oft zu dem Missverständnis, dass diese Rassen keine Einkreuzungen erfahren hätten und schon immer so existiert hätten, was grundlegend falsch ist. Denn die heute bestehenden Rassen wurden nicht nur durch Zuchtauswahl so gestaltet, sondern auch durch ganz gezielte Einkreuzungen.

 

   Die menorquinischen Pferde sind Barockpferde von schlanker, majestätischer Erscheinung. Es sind generell Rappen, wobei alle schwarzvarianten erlaubt sind, das pechschwarz aber am höchsten eingeschätzt wird. Es werden weisse Flecken am Kopf und an den extremitäten akzeptiert, aber nur, wenn sie von "reduziertem" Ausmass sind. Es ist ein nobles Pferd, heissblütig, genügsam, resistent und energisch. Mit grosser Eignung für den Sattel und zum Einspannen. Mit leichten Bewegungen und mit einer grossen Leichtigkeit für die Elevade. Geprägt wurde das Erscheinungsbild des Pferdes durch die "Fiestas", wobei es die Vorderhände in der Menschenmenge erhebt.

 

   Aber die menorquinischen Pferde laufen nicht nur auf den Hinterhänden, sondern sind auch sehr efizient in der klassischen Dressur, der hohen Schule, Shows, vor der Kutsche. Allroundpferde mit einem Wort und absolute Hingucker. Lasst euch nicht irritieren, wenn ihr sie ausgebildet auf und von Menorca seht, der kurze Trippel-Trab, das Drehen mit den Hinterhänden, eine umgekehrte Piruette, werden ihnen beigebracht, um auf den "Fiestas" in der Menschenmenge klarzukommen, dass z.B. die Pferdeschnauze vor den Stössen der Menschenmenge geschützt ist. Wer aber unausgebildetes Pferde kauft und gezielt mit ihnen arbeitet, kann erstaunliche Bewegungen aus ihnen herausholen, denn das Bewegungspotential ist da, es muss nur gezielt gefördert werden.